D'Wendlstoana Thanning - eine Chronik

Unsere Gründungsväter, 1920

Vom 26. bis 29. Juni 2009 feierte der Trachtenverein Thanning sein 90-jähriges Gründungsfest. Er blickte zurück auf eine große Tradition, geprägt von dem Willen, Sitte und Brauchtum der Vorfahren zu ehren und zu erhalten und dem modernen Zeitgeist, dort wo es notwendig ist, Schranken zu setzen.

"Die oberbayerische Tracht, Sitten und Gebräuche zu erhalten, sowie kameradschaftliche Unterhaltung zu pflegen" haben sich im Jahr 1919 zwölf Burschen und Mädchen in die Vereinsstatuten geschrieben, die in der Sattlerwerkstatt des Rupert Graf unseren Verein gründeten, der damals die Bezeichnung "Die lustigen Wendlstoana" hatte. Sie hätten nicht im Traum daran gedacht, dass sich aus dieser kleinen Gruppe, die anfangs von den anderen Ortsvereinen bekämpft wurde, innerhalb von 90 Jahren eine der wichtigsten Gemeinschaften im dörflichen Leben entwickeln würde.

Stiftungsfest 1921

Inzwischen weist der Verein rund 370 Mitglieder auf. Dass sich die Gründung in der Sattlerwerkstatt des Rupert Graf vollzog, ist kennzeichnend für die Situation des Jahres 1919. Das Vereinslokal war kurze Zeit im Gasthaus Lautenbacher in Attenham, also im Nachbardorf. Aber im Verlauf des Jahres 1920 renkte sich vieles wieder ein. Mit den Nachbarvereinen Wolfratshausen, Otterfing, Sauerlach, Dietramszell und Arget kam es zu engen Bindungen. Bald folgte die Teilnahme an Preisplatteln und Festlichkeiten. Fahrten zu den Gaufesten erfolgten damals mit dem Fahrrad. 1922 wechselte das Gasthaus Koppenstätter den Besitzer. Neuer Vereinswirt wurde Georg Neuhauser, der wie vorher Koppenstätter und später sein Sohn Georg Neuhauser ein großer Gönner und Förderer des Vereins war. 1924 feierte der Trachtenverein Thanning das Fest der Fahnenweihe. 17 Vereine nahmen daran teil. Das 10-jährige Bestehen wurde 1929 in ganz kleinem Rahmen gefeiert. Während der Zeit von 1933 -1945 wurde die Tätigkeit der Vereine immer mehr eingeschränkt. In den Kriegsjahren erlosch sie fast vollständig. Doch gab es auch in dieser Zeit aufrechte Trachtler, die den Verein am Leben erhielten und den gefallenen Kameraden die letzte Ehre erwiesen.

Die Jahre ab 1946

Der GTEV vorm Gasthaus Neuhauser

Nach dem 2. Weltkrieg konnte unser Verein endlich wieder an die Öffentlichkeit treten. 1949 wurde mit 6 Nachbarvereinen das 30-jährige Bestehen gefeiert, 1959 erschienen zum 40-jährigen Gründungsfest 30 Vereine und mehrere Musikkapellen. Ein großes Ereignis der Vereinsgeschichte war das 37. Loisachgaufest 1964 in Thanning mit mehr als tausend Trachtlern und acht Musikkapellen. Verregnet war das 50-jährige Gründungsfest im Jahre 1969. Als der Regen für kurze Zeit aussetzte, kam doch noch ein Festzug zustande, an dem 36 Vereine und acht Musikkapellen teilnahmen. Das 50. Loisachgaufest des Jahres 1977 stellte alle bisherigen Feste in den Schatten, wenn man bedenkt, dass zu diesem Anlass in Thanning 44 Trachtenvereine mit 18 Musikkapellen erschienen und Tausende von Zuschauern des Festzug von über 3000 Trachtlern säumten. Diese Zahlen zeigen die Aufwärtsentwicklung der Trachtenbewegung, wie sie im ganzen Land zu bemerken ist. Aber nicht die Zahlen der Festzugteilnehmer, der Feste und Veranstaltungen allein machen einen Trachtenverein aus. Mehr zählt die Einstellung seiner Mitglieder gegenüber dem Auftrag der Gründer, unsere vielfältigen Kulturgüter zu erhalten und nach den Wertvorstellungen unserer Vorfahren, die ihren Niederschlag in Sitte, Tracht und Religiosität fanden, zu leben. Dies scheint heute mehr denn je angebracht. Das 60-jährige Gründungsfest im Jahre 1979 fiel buchstäblich ins Wasser. Das sonst so sprichwörtliche Trachtlerwetter, schrieb die Presse, ließ die Thanninger im Stich. 20 Festvereine waren erschienen. Auch beim 70-jährigen Gründungsfest im September 1989 war Petrus nicht allzu freundlich gesonnen. Aber wenigstens regnete es nicht und so wurde mit unseren Patenvereinen Otterfing und Harmating sowie den anderen örtlichen Vereinen das Jubiläum gefeiert. Der Trachtenverein Thanning ist in seiner nunmehr 90-jährigen Geschichte nicht nur durch Schuhplatteln und schneidiges Auftreten bei Festlichkeiten bekannt geworden.

Szene aus dem Thanninger Theater

Ein besonderes Anliegen war ihm stets auch die Pflege der Volksmusik, die durch Ursula Hofmann in den letzten Jahren einen großen Aufschwung erlebte.

Auch die Förderung seiner Laienspielgruppe, die kurz nach der Vereinsgründung entstand, um die Geldnöte des jungen Vereins zu beheben. Das Theaterspielen hat in Thanning ein lange Tradition. Die Theatergruppe feierte im Dezember 1994 ihr 75-jähriges Jubiläum mit einem Volksstück. Große Verdienste um die Gruppe erwarben sich hierbei der Sagler Sepp, der Schnablschuster Martin, der Kauper Michl, Manfred Nagler, Peter Kiessig, Sepp Wiedenbauer und die Schilcher Kathl, die hier stellvertretend für alle am Theater beteiligten Trachtenkameraden erwähnt sein sollen. 

Große Verluste für den Verein waren der Tod der Vorstände Josef Kastenmüller (1972), Martin Kastenmüller (1986), Schorsch Fagner (1986) und Josef Floßmann (1996), des langjährige Theaterleiters Michael Strobl (1988), sowie der Kassiere Anselm Schilcher (1994) und Paul Rieger (2006), die alle zu früh verstarben, aber maßgeblichen Anteil am steten Aufstieg der Wendlstoana hatten.

Unser Wahrzeichen

Frisch war's schon und der Himmel grau, als wir 1994 unser 75-jähriges Gründungsfest feierten. Trotzdem ließen es sich über 3.200 Trachtler nicht nehmen, auf unserem schönen Dorfplatz die Hl. Messe zu feier und dann durch das festlich geschmückte Dorf zu ziehen. 80 Jahre Trachtenverein Thanning begingen wir mit unserer Feuerwehr (125 Jahre) gemeinsam und freundschaftlich. Im Jahr 2001 erlebten die Thanninger und viele Gäste das 77. Loisachgaufest. Ein traumhaft schöner Tag mit 40 Vereinen und Tausenden von Zuschauern, die am Straßenrand standen. Trachtlerherz, was willst du mehr? Ganz klein, aber fein schauten wir 2004 auf unsere nunmehr 85-jährige Geschichte und Tradition zurück.

Mit der Wahl von Hans Hagn zum 1. Vorstand trat 1986 ein Generationswechsel ein. Mit ihm und seinem Ausschuss übernahmen jüngere Mitglieder tatkräftig und fleißig die Führung des Vereins. In den Jahren von 1986 - 2003 wirkte Hans Hagn erfolgreich und trotzte immer schwieriger werdenden Zeiten dem Zeitgeist. Seinem verdienstvollen Handeln folgte der junge Florian Bock (2003 -2006), der auch Hervorragendes leistete, indem er die Vereine davor bewahrte, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.

2006 wurde dann Sepp Wiedenbauer Vorstand. Er leitet seitdem die Thanninger gekonnt und einfallsreich, führt die bewährten Veranstaltungen seiner Vorgänger fort und begeistert die Jugend mit Zeltlagern, Schlittenfahrten und Winterwanderungen. "A Stund im Advent", Senioren- und Ehemaligentreffen, sowie diverse Informationsveranstaltungen kamen dazu. Besonders erwähnenswert ist, dass unser Trachtenverein einen Unterschlupf im alten Schulhaus fand und damit Platz für unser Trachtenheim. Ein Vergelt?s Gott der Gemeinde, die die Räumlichkeiten zur Verfügung stellte, ein Vergelt?s Gott allen, die beim Ausbau tatkräftig mithalfen.

Im nunmehr 90-jährigen Auf- und Ab der Geschichte hat unser Verein immer Kurs gehalten für unsere Heimat, für Tradition und Glaube. Möge dies auch weiterhin gelingen! Wir danken allen, die Mühen und Opfer aufbrachten und oft auch Rückschläge hinnahmen, um an diesem Ziel festzuhalten.